Die Schufa will künftig offenbar auch Kontoauszüge in ihre Bonitätsberechnung miteinbeziehen. Das neue Produkt „CheckNow“ soll Menschen mit schlechten Bewertungen die Möglichkeit geben, diese zu verbessern. Eine Recherche von WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung zeigt allerdings massive Bedenken in Sachen Datenschutz auf.
In einem Testprojekt mit Telefonica/O2 können Neukund:innen der Telekomfirmen beim Einrichten eines neuen Vertrags einwilligen, dass die Auskunftei Einblick in die eigenen Kontoauszüge bekommt. Wer einen niedrigen Schufa-Score hat, zum Beispiel durch Verschuldung in der Vergangenheit, kann so seine Verlässlichkeit nachweisen. Dabei teilt man beispielsweise Informationen zu Gehalt, Miete, Unterhalt, Shopping-Gewohnheiten oder eventuellen medizinischen Zuzahlungen.
Ermöglicht wird die Funktionalität durch die 2015 unter Kritik verabschiedete überarbeitete Zahlungsdienstrichtlinie (PSD2) der EU, die 2018 in Kraft getreten ist. Das Gesetz regelt den Zugriff Dritter auf das eigene Konto, auch im Sinne der Verbraucher:innen. Ein Beispiel dafür ist, wenn man einem Zahlungsdienstleister wie Klarna die Erlaubnis gibt, eine Zahlung durchzuführen. „Der Einblick von anderen Unternehmen über das kontoführende Kreditinstitut hinaus (sogen. Drittunternehmen) ist explizit gewollt“, heißt es auf der Website der Schufa.
Fragwürdige Einwilligung
Im Fall von CheckNow holt sich die Schufa die Einwilligung, Kontoauszüge von Nutzer:innen mit der eigenen Tochterfirma FinAPI zu teilen. Diese errechnet dann anhand der Kontodaten einen Score, den die Schufa mit ihrer eigenen Bewertung zum Zwecke eines einzelnen Vertragsabschlusses zusammenführt. Laut Schufa werden nur relevante Daten ausgewertet und diese nach Vertragsabschluss gelöscht.
Doch wie die Medienberichte zeigen, wird in einem zweiten Schritt die Erlaubnis eingeholt, die Daten auch für bis zu zwölf Monate zu speichern und als Teil des Schufa-Scoring auszuwerten. In der Testumgebung werden diese Informationen nach Angaben der Auskunftei noch nicht gespeichert.
Zwar geschieht die Einwilligung auf freiwilliger Basis, aber in der gewohnten Fülle an Checkboxen in Online-Formularen kann so eine Zustimmung auch untergehen. Wie NDR/WDR berichten, hieß es von der Schufa auf einem Branchentreff im Oktober, die Verbraucher:innen wären „faul und bequem. Die haben keinen Bock auf sowas, und die wollen einfach den Service haben. Und sie klicken das durch.“
Das Bayrische Landesamt für Datenschutzaufsicht prüft das Verfahren aktuell auf Zulässigkeit. Dessen Präsident Michael Will fürchtet, es könnte irgendwann zum Standard werden, die eigenen Kontodaten preisgeben zu müssen, will man einen Vertrag abzuschließen. Das könnte gravierende Folgen haben.
Da sich das Verfahren besonders an Menschen richtet, die einen schlechten Schufa-Score haben, würde es dazu führen, das vor allem ärmere Menschen gesellschaftliche Teilhabe mit ihrer Privatsphäre erkaufen müssen.
Schufa weiß weniger als erwartet
Das Privatunternehmen Schufa ist Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei und speichert Informationen von knapp 70 Millionen Menschen in Deutschland. Kaum ein Mietvertrag, Mobilfunkvertrag oder Kredit kann ohne eine Bescheinigung der AG abgeschlossen werden.
Dabei hat die Schufa auf weniger Daten Zugriff, als es manchmal den Anschein hat. Die Daten beschränken sich auf die Anzahl der Bankkonten und auf eventuell aufgenommene Kredite. Schon länger versucht die Firma deshalb, ihre Datenbasis auszuweiten. Bereits 2012 wollte sie zu diesem Zweck Informationen von Social Media scannen und in ihre Bewertungen miteinbeziehen.
